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So schleift Laschet den Mieterschutz in NRW

Der Leverkusener Wohnungsmarkt, so steht es im letzten städtischen Bericht, ist „angespannt“. Die Mieten steigen stetig. Allein im letzten Jahr ist Leverkusen um 413 Menschen gewachsen. Die müssen wohnen, um hier leben zu können. Doch Leerstand gibt es praktisch nicht. In den Ballungszentren wird das Wohnen für viele Menschen unbezahlbar. Der Kampf um bezahlbaren Wohnraum hat begonnen. Und mitten in diesem Kampf streitet die CDU in Bund und Land mit uns von der SPD darüber, ob Mieterschutz nun Mieter schützt oder nicht doch Investorenschutz irgendwann auch Mietern nützt.

Verhindert Mieterschutz den Wohnungsbau?

Konkret in Düsseldorf möchte die schwarz-gelbe Landesregierung eine Reihe von zeitlich befristeten Verordnungen zum Schutz der Mieter vor unkontrolliert steigenden Mieten auslaufen lassen oder abschaffen, weil der Mieterschutz angeblich den Bau neuer Wohnungen verhindert. Das Argument geht so: Wir brauchen mehr Wohnungen, deshalb muss sich das Bauen für Investoren lohnen. Damit sich das lohnt, muss der Mieter heute ins Gras beißen, damit irgendwann genügend Wohnungen da sind, die er sich irgendwann wird leisten können. Wohnen muss der Mensch zwar schon heute schon, aber wen interessiert’s? Die Landesregierung möchte also den Mieterschutz über seine Abschaffung gewährleisten. Und selbst, wenn ich diesen Punkt mal fallen lasse: passt die Strategie der Landesregierung überhaupt zu dieser Argumentation? Dann müssten die Verordnungen und Instrumente zum Mieterschutz das Bauen von Wohnungen beschränken. Das tun sie aber gar nicht! Im Gegenteil, sie stärken den Mieterschutz nur bei bereits gebauten Bestandswohnungen.

Diese Mieterschutzrechte will Laschet abschaffen

1. Kappungsgrenzenverordnung

Die Kappungsgrenzenverordnung läuft bereits Ende Mai diesen Jahres aus. Sie begrenzt die Erhöhung von Bestandsmieten auf 15 % innerhalb von 3 Jahren. Sie begrenzt nicht die Mieten von neu gebauten, noch nicht einmal von neu vermieteten Wohnungen. Sie stellt also kein Hemmnis für den Neubau von Wohnungen dar! Ihre Abschaffung macht das Bauen nicht attraktiver und ist damit eindeutig Politik für Kapitalinteressen!

2. Mietpreisbegrenzungsverordnung

Läuft am 30. Juni 2020 aus. Sie betrifft ausschließlich Neuvermietungen beim Mieterwechsel (nicht die erstmalige Vermietung neu gebauten Wohnraums!). Auch hier gilt also: Das Auslaufen der Mietpreisbegrenzungsverordnung macht Wohnungsbau nicht attraktiver für Investoren.

3. Kündigungssperrfristverordnung

Die Kündigungssperrfristverordnung läuft Ende 2021aus. Sie besagt, dass nach einem Eigentümerwechsel eine Eigenbedarfskündigung in angespannten Mietmärkten 5 bis 8 Jahre beträgt. In Leverkusen gilt aufgrund der angespannten Wohnungsmarktlage die Kündigungsfrist von 5 Jahren. In Köln von 8 Jahren. Und wieder frage ich mich: Wo genau behindert diese Verordnung den dringend benötigten Neubau von Wohnungen?

4. Umwandlungsversordnung

Die Umwandlungsversordnung läuft am 27. März 2020 aus. Sie gibt Städten und Gemeinden die Möglichkeit eine Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen zu untersagen. Auch diese Verordnung schränkt die Rechte von Eigentümern lediglich in bereits bestehenden Wohnungen ein. Sie berührt an keiner Stelle den Wohnungsbau!

Immobilienspekulation statt Mieterpolitik - Kritik der Schwarz-Gelben Unvernunft

Das Gebetsmühlenartig vorgebrachte Argument, dass mehr Wohnungen nur gebaut werden, wenn es sich lohnt, ist nur ein Feigenblatt, um sinnvollen Mieterschutz abzubauen. Das Auslaufen und die Abschaffung der oben genannten Instrumente haben sogar einen negativen Effekt auf die Bautätigkeit: Die Mieten im Bestand werden steigen. Wenn mit bereits bestehenden Wohnungen wieder mehr Geld verdient werden kann, wird Kapital zunächst in den Handel mit bestehenden Wohnungen fließen, statt in den Wohnungsbau. Und wenn die Bestandsmieten steigen, dann steigen auch die Erwartungen an die zukünftigen Mieteinnahmen beim Wohnungsneubau. Und mit Verweis auf die mit den steigenden Bestandsmieten auch steigenden zu erwartenden Mieteinnahmen von neugebauten Wohnungen können Bauunternehmen wiederum höhere Preise für den Bau verlangen. Das führt wiederum zu höheren Mietpreisen. Laschets Politik regt weder die Bautätigkeit an, noch führt sie zu langfristig sinkenden Mieten. Doch lassen wir die Landesregierung einfach selbst sprechen: „Die von der Landesregierung geplante Aufhebung der Kündigungssperrfristverordnung und der Umwandlungsverordnung ist eine Maßnahme der Deregulierung.“ (Vorlage 17/88 abrufbar hier: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMV17-88.pdf). Besser hätte ich es nicht sagen können.

Was gegen hohe Mieten hilft – und was nicht

Wenn wir verhindern möchten, dass Menschen aus ihren Vierteln Schritt für Schritt verdrängt werden, weil sie sich die nächste Mieterhöhung nicht mehr leisten können, dann müssen wir bauen. Es gab Zeiten, da waren Kommunen stolze Besitzer von Bauland und kommunale Wohnungsbaugesellschaften haben für ein gesundes und faires Angebot an Wohnungen gesorgt. Das ist aber lange her. Ein Großteil der kommunalen Grundstücke und Wohnungsgesellschaften wurde bereits in den 80ger Jahren verscherbelt und damit das wichtigste politische Faustpfand der Kommunen verspielt: Gestaltungsmacht für das Gemeinwesen. Aus diesem Grund fordern wir, eine neue Landesbaugesellschaft zu gründen und den kommunalen Wohnungsbau stärker zu fördern. Einen Rückbau des Mieterschutzes brauchen wir freilich nicht. Ein weiteres Problem ist ganz allgemein das immer knapper werdende Bauland. Gerade wir in Leverkusen haben fast keine Flächen mehr für neue Wohnungen. 96,1% der Leverkusener Wohnbaufläche ist bereits verbraucht. Wenn ich mir dann anschaue, dass gute 58% der Gebäude in Leverkusen Einfamilienhäuser sind, dann ist es fatal weiterhin das Bauen auf der grünen Wiese mit Steuermitteln zu unterstützen und in Leverkusen die verbleibenden 3,9% an Flächenreserve für den Wohnungsbau an Ein-Familienhäuser zu verschwenden. Das treibt die Bodenpreise wieder nur unnötig in die Höhe. Nur mit einem effizienten Flächenverbrauch können wir der spekulationsgetriebenen Preissteigerung von Grund und Boden wirksam entgegentreten.